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Neue Technologien wie das Telefonieren übers Internet und WLAN sowie die zunehmende Dezentralisierung von Unternehmen und die Mobilität der Mitarbeiter erfordern, daß die Strukturen der bisher getrennt verlaufenden Daten- und Sprachnetze angepaßt werden müssen: Sprache wird als neue Applikation im Datennetz verstanden. Das Thema geht alle verteilt und international agierenden Firmen an, auch und gerade unter den Aspekten Kosten und Sicherheit. Dieses Buch liefert einen praxisbezogenen Leitfaden für die Bewältigung dieser Aufgaben. Nach einer Einführung in Entwicklung und Technik werden aktuelle Konzepte zur Netzwerkkonsolidierung aus technischer und kaufmännischer Sicht vorgestellt.
VorwortBetrieb, Konsolidierung, Outsourcing und Offshoring von Informationstechnologie, ganz gleich ob es nun Call Center, Web- und eBusiness-Applikationen oder Datencenter betrifft, ist ein umfassend diskutiertes Feld. Geht es aber um die
Konsolidierung und Neuausrichtung von Daten- und Sprachnetzen im Unternehmen, ist eine Diskussion von Technik, Wirtschaftlichkeit und Best Practices kaum oder nur sehr punktuell in einzelnen Ansätzen zu finden. Mit diesem Buch soll diese Lücke geschlossen und vor dem Hintergrund des technischen Wandels, wie auch des Wandels im Verständnis von Informationstechnologie und Telekommunikation im Unternehmen, ein Weg für eine Neuausrichtung betrieblicher Sprach- und Datennetze aufgezeigt werden.
Viele der mit dem Internetboom losgetretenen Entwicklungen, wie
Voice over IP (VoIP) oder
Multi Protocol Label Switching (MPLS), haben inzwischen eine Bedeutung erlangt, die man aus dem betrieblichen Alltag nicht mehr ausblenden kann. Die dominierende Reaktion auf diesen technologischen Umbruch ist dennoch meist Abwarten oder Aussitzen, hat man doch nach allgemeiner Ansicht bereits mit der eBusiness-Scheinblüte sein Spielgeld verbraucht.
Die tief greifenden Auswirkungen der technologischen Entwicklung lassen sich jedoch nicht einfach wegdiskutieren oder unter der Decke halten.Die Entwicklung betrifft alle Unternehmen, wenngleich aufgrund unterschiedlicher Strukturen nicht immer in gleichem Maße. Gefragt sind neue Wege, mit dem Wandel umzugehen, um diesen zur Sicherung des eigenen langfristigen Unternehmenserfolgs zu nutzen - durch unternehmen, nicht durch unterlassen. Dieses Buch zeigt dazu einen neuen Ansatz auf.
Kapitel 1 Kommunikation im Wandel"It is not the strongest that survive, not the most intelligent, but those that are the most responsive to changes" (Charles Darwin)
Über die Rolle der Technologie als treibende Kraft des Wandels ist bereits vieles geschrieben, diskutiert und gestritten worden. Bis hin zu technikhistorischen Abhandlungen reicht die Bandbreite der Publikationen. Nicht ganz so viel Beachtung finden
Sprach- und Datennetze im Unternehmen.
Diese stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen dieses Buchs. Der technologische Wandel führt auch und gerade hier zu gravierenden Umwälzungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. Diese Umbrüche sind jedoch nicht nur Risiko, sondern auch Chance für eine Neuausrichtung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Organisation.
Kommunikationstechnologie als Enabler und EntwicklungstreiberDie Entwicklung von Informationstechnologie und Telekommunikation verändert die Welt - die Lebenswelt des Einzelnen wie auch die Umwelt- und Rahmenbedingungen für Unternehmen. Analysiert man diesen Wandel und abstrahiert man dabei von einzelnen Anwendungen oder Produktangeboten, so lassen sich einige wenige Kerntrends und Entwicklungsaspekte als Schlüsselkomponenten und wesentliche Treiber dieser Veränderung herausfiltern: Dazu zählt das Wachstum der Bandbreiten vorhandener Netzverbindungen, die Entwicklung von zeitlicher und räumlicher Reichweite der Vernetzung sowie die Konvergenz bei Netzen und Applikationen. In letzter Konsequenz führt dies zur Ausdehnung des Unternehmens über seine räumlichen Grenzen und herkömmlichen Aktivitätszeiten hinaus.
BandbreitenwachstumWie viel Bandbreite ist genug? Auf diese Frage gibt es - ähnlich wie bei der Frage nach ausreichender Rechenleistung - keine endgültige Antwort. Auch wenn die mit dem Internet-Hype getroffenen Aussagen der Art: "Verdopplung des Datenverkehrs alle drei Monate" oder das "Gesetz von Gilder" (1997), wonach die Bandbreite für Datenübertragung jedes Jahr um den Faktor drei anwächst, sich nicht dauerhaft bewahrheitet haben, so steigen die Datenvolumina in öffentlichen und privaten Netzen nach wie vor deutlich an:Es wird ein Wachstum des internationalen IP-Datenverkehrs (+67 Prozent in 2003) und ein ebenfalls starkes Ansteigen der Peaks der übertragenen Daten (im Transatlantikverkehr von rund 100 GBpS in 2003 auf erwartete 430 GBpS) festgestellt (nach Primetrica Global Internet Geography 2004 - http://www.telegeography.com/products/gig/index.php).
Auch der Trend zu Breitbandanschlüssen in Privathaushalten ist ungebrochen. So stieg die Anzahl der DSL-Anschlüsse (DSL ist die dominierende Breitband-Internetzugangstechnologie in Deutschland) innerhalb weniger Jahre auf über fünf Millionen (Angaben des Marktforschungsunternehmens Point Topic aus dem Frühjahr 2004) an, während die Anzahl der Internetanschlüsse insgesamt erste Sättigungserscheinungen aufweist. Für Österreich wurden Ende 2003 rund 600.000 Breitbandanschlüsse angegeben (Angaben der österreichischen Regulierungsbehörde nach http://futurezone.orf.at). Da jedoch auch die Nutzungsintensität der Anschlüsse ansteigt, ist auch hier mit weiterem Zuwachs zu rechnen. Die durchschnittlichen Bandbreiten der Außenanbindungen von Unternehmen wiesen in den vergangenen Jahren ebenfalls deutliche Wachstumsraten auf. In Summe lässt sich auch beobachten, dass Wachstum von Rechenleistung und Bandbreite sich gegenseitig stimulieren. Für die lokalen Netze gilt dabei eine Art Pendelbewegung, die zu sprunghaftem Wachstum führt (etwa von 10 Mbit/s auf 100 Mbit/s und dann auf 1.000 Mbit/s).
Nutzung von Bandbreiten in Unternehmensnetzen In den Unternehmensnetzen wachsen die Bandbreiten und der Bandbreitenbedarf sowohl im lokalen Netz als auch zwischen den Standorten, wenn auch in unterschiedlichem Maße. So berichtet etwa die Informationweek (in der Ausgabe 25 vom 04.12.2003) davon, dass das Wachstum der Netzwerkbandbreiten in Unternehmensnetzen das Wachstum der Computerleistung überholt. Demnach ist 100 Mbit/s Switched Ethernet bei einem Großteil der Unternehmen Standard auf Arbeitsplatzebene, während sich im Backbone Gigabit Ethernet durchsetzt.Auch der einzelne Arbeitsplatz im LAN benötigt zunehmend mehr Bandbreite. Die Nutzer verwenden immer mehr und zunehmend komplexere Applikationen, die hohe Anforderungen an das Netzwerk stellen.
Um 30 bis 40 Prozent pro Jahr wächst die Datenmenge, die von Anwendungen erzeugt wird, und damit die benötigte Bandbreite im Unternehmen (nach Analystenangaben von Salomon Smith Barney). Neue Entwicklungen wie die automatische Aktualisierung von Software, zentralisierte Datenhaltung sowie die inzwischen weit verbreiteten Online-Backup-Systeme führen ebenfalls zu erhöhtem Bandbreitenbedarf.
Aber auch bereits die reine Verfügbarkeit von Bandbreite stimuliert den Konsum: Während es vor Jahren etwa noch verpönt war, größere eMail-Anhänge überhaupt ohne vorherige Abstimmung zu verwenden, so ist es nun beinahe üblich, megabytegroße PPT-Präsentationen oder aufwändige PDFs per eMail zu versenden. Im gleichen Maße steigen auch die typischen übertragenen Datenmengen webbasierter Anwendungen an, die gestalterisch immer aufwändiger werden. Die Mahnungen vergangener Tage - mit Blick auf die Ladezeit - die Volumina der Bildinhalte niedrig zu halten und die Struktur insgesamt zu verschlanken, sind inzwischen weitgehend ungehört verhallt. Auch Unternehmensportale leiden unter nicht notwendiger Üppigkeit und sind daher ebenfalls Treiber dieser Entwicklung. Ein Großteil der Übertragungskapazität gehört hier nicht den eigentlichen Inhalten, also etwa Finanzdaten, sondern der Verpackung, also der optischen Aufbereitung der Bildschirmausgaben. Thin Clients, Rechner, die ohne eigene Festplatte auskommen, aber dennoch umfangreichere Funktionalitäten und Darstellungsformen als frühere Großrechnerterminals besitzen, stimulieren den Verbrauch weiter, da sie Applikationen und Daten vollständig aus dem Netz beziehen.
Dennoch sind Datennetze, etwa gegenüber klassischen Telefonnetzen, im Schnitt schlechter ausgelastet. So liefert etwa eine Studie der Universität von Minnesota ("Data Networks are lightly utilized, and will stay that way", aus "The Review of Network Economics", Vol. 2 Issue 3, September 2003) folgende Zahlen dazu: Private Datenverbindungen sind demnach im Schnitt nur mit 3-5 Prozent ausgelastet, Internetbackbones mit 10-15 Prozent, wohingegen das Sprachtelefonnetz mit rund 30 Prozent durchschnittlicher Auslastung arbeitet. Was auf den ersten Blick paradox anmutet, ist bei näherer Kenntnis der typischen Nutzungsmuster von Datennetzen durchaus erklärbar.